Robbenradio

Projekte von Steffen Schultz

Mittelwellen-Soundarchiv, Folge 3

Die dritte Folge meiner Mittelwellen-Soundfiles wurde diese Woche veröffentlicht. Wie üblich habe ich sie wieder bei Archive.org hochgeladen, da dieser Dienst auf einfachem Weg dem geneigten Hörer alle gewünschten Audioformate anbieten kann. Außerdem dürfte das Internet Archive auf lange Sicht eine zuverlässige Verbreitungsplattform für freie Inhalte sein.

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland und dem Rest Europas viele Mittelwellensender abgeschaltet. Das Archiv enthält daher viele Aufnahmen von Senderstandorten, die nun nicht mehr gehört werden können, darunter die Sender des NDR, WDR sowie Lang- und Mittelwellensender des Deutschlandradios. Meistens verliefen die Abschaltungen sehr unspektakulär, doch die damit einhergehende Faszination, statt des gewohnten Programms nur noch Rauschen oder eine ganz andere Station zu vernehmen, macht diese Aufnahmen für mich und sicher auch andere trotzdem sehr wertvoll.

Ein Nebenschauplatz der vergangenen beiden Jahre waren für mich die mitunter interessanten Aktivitäten italienischer Kleinsender auf Mittelwelle, die vermutlich am Rande der Legalität ihre Programme ausstrahlen. Die meisten Stationen können in Deutschland eher nicht gehört werden, es gelang mir jedoch einige Signale aufzuzeichnen. Fast jeden Abend lässt sich z. B. auf 1350 kHz mit relativ starkem Signal die Station "I am Radio/ Europaradio Milano" loggen. Dort laufen neben Endlos-Musikprogrammen und Ausstrahlungen des italienischen DX-Magazins "Studio DX" auch schon mal inoffizielle Übernahmen der Sonderprogramme von "Radio Caroline North", die auf der eigentlichen Frequenz 1368 sonst nur schlecht gehört werden können. Eine weitere Station ist Challenger Radio, die auf 1368 mit Ausstrahlungen des "Italian Radio Relay Service" ebenfalls regelmäßig zu empfangen ist und im vergangenen Jahr auf 846 kHz einen weiteren Sender aktiviert hat. Man sendet damit also auf einer der ehemaligen RAI-Frequenzen.

Leider gelang mir diesmal kein brauchbarer Transatlantik-Empfang, sodass sich die Auswahl der Stationen überwiegend auf Europa beschränkt. Mit über 80 Soundfiles ist das Archiv dennoch umfangreicher als das vorangegangene Jahresarchiv.

Hier noch einige weitere Anspiel-Tipps:

  • 279 kHz Belarus Pershy Kanal (täglicher Sendeschluss): Durch die sehr leise Modulation des Senders tritt in dieser Aufnahme deutlich ein sogenannter Luxemburgeffekt zum Vorschein. Man hört deutlich das Jingle des polnischen Rundfunks unter dem Signal aus Weißrussland.
  • 828 kHz Radiogazeta Slovo (Russland/St. Petersburg): Russische Sender sind ja schon irgendwie speziell, aber Radiogazeta Slovo übertrifft sie alle. Eine Station, deren Sendungen den Anschein einer längst vergangenen Zeit aufkommen lassen, würde in der Programmansage nicht von E-Mail und Internet die Rede sein. Nach der Abschaltung des NDR-Senders Hannover kann diese Station mit teils starkem Signal gehört werden.
  • 1278 kHz France Bleu Elsass: Auch Frankreich hat zum Jahreswechsel 2015/2016 seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf Mittelwelle abgeschaltet. Der Sender Schlettstadt übertrug bis zum Schluss Programme in Elsässer Mundart, die vermutlich nun nur noch im Internet gehört werden können. Hier ein etwas verrauschter Ausschnitt einer solchen Sendung.
  • 1440 kHz RTL Radio, Pausenzeichen und Sendebeginn: Ein Klassiker in voller Länge, denn auch "The great 208" ist seit dem Jahreswechsel nicht mehr vernehmbar.
  • 1512 kHz Radio Nord Revival (Schweden/Kvarnberget): Radio Nord war eines der ersten kommerziellen Offshore-Radios, noch bevor Radio Caroline und Radio London sich anschickten den europäischen Rundfunk zu revolutionieren. Das Revival-Projekt lässt diese Zeiten aufleben und ist an ausgewählten Tagen über zahlreiche Kleinsender auf Mittel- und Kurzwelle zu hören.
  • 1566 kHz Wildmountain Radio (Schweiz/Wildberg): Der Empfang dieses Veranstaltungsradios im September 2015 war schwierig, da die Leistung des Senders nur 1 KW betrug und sich gegen das stärker einfallende Signal aus den Niederlanden durchsetzen musste.

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